Vesper mit Vocal Concert Dresden am 17.01.2026
22. Januar 2026
Vocal Concert Dresden in der Kreuzkirche: „Hell und Hoffnung in alle Welt spendend überglänzt das Licht die Epiphaniaszeit, in der die Weisen aus dem Morgenlande das Kind in der Krippe suchten und fanden. Dieses Licht fand sich nicht nur in dem – wie immer – beziehungsreich von Peter Kopp zusammengestellten Programm wieder, sondern auch und vor allem im ganz dem Ausdruck und einer hochstehenden Gesangskultur verpflichteten Interpretation. In den mehr als 30 Jahren seines Bestehens kannte die Qualitätskurve des Vocal Concerts in seiner Entwicklung immer nur eine Richtung – nach oben zum Gipfel der Kammerchöre.

Vesper mit Vocal Concert Dresden
In dieser Vesper griff Peter Kopp auf alte Meister verschiedener Epochen zurück, um mit einer besonderen Kostbarkeit englischer Chormusik zu enden. Zusammen mit seinem Schüler William Byrd hatte Thomas Tallis 1575 mit – damals ungewöhnlichem – großem Aufwand und Detailgenauigkeit seine „Cantiones quae ab argumento sacrae vocantur“ vertont und gedruckt, woraus hier die fünfstimmige Motette „O nata lux de lumine“ („O Licht, vom Licht geboren“) erklang, genau balancierend zwischen zwingendem Zugriff und schlichter Zurückhaltung, ausgesprochen wirkungsvoll differenziert.

Das Ensemble verfügt über eine ungetrübte Homogenität im Zusammenspiel der Stimmen und durch nichts zu beeinträchtigende Intonationssicherheit. In dieser Vesper war es vor allem die vorzügliche Pianokultur und die klangliche Biegsamkeit, die beeindruckten. Nur mit solchen Voraussetzungen ist es möglich, etwa Hans Leo Haßlers „Jubilate Deo“ so weich und schwebend zu Ende zu führen. Klar und durchsichtig kam Schütz‘ „Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes“ zu Gehör, sehr locker und natürlich „Ich will den Herrn loben allezeit“ von Homilius, der im 18. Jahrhundert an gleicher Stelle Kreuzkantor war.

Mit Brahms und Herzogenberg führte der Weg in eine stilistisch völlig andere Zeit, auch wenn beide die Vokalpolyphonie der Altvorderen bestens kannten. Auch das ist eine wichtige Tugend des Vocal Concerts, dass es stilistische Hürden einfach nicht kennt. Sehr eindrucksvoll auf den Punkt gebracht erfreute die kontrastreiche Brahms-Motette „Es ist das Heil uns kommen her“, genauso klug aufgebaut das „Weihnachtslied“ von Herzogenberg. Da die große Jehmlich-Orgel sich derzeit in Revision befindet, war Kreuzorganist Holger Gehring von der Altarorgel aus zu erleben – phantasiereich und mit einfühlsamer Intimität in Buxtehudes Choralfantasie „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.“
20.01.2026 | Mareile Hanns | DNN Kultur | „Vesper mit Vocal Concert“