Sonus Aeternus in der Vesper | „Start ins neue Schuljahr“
25. August 2026
Sonus Aeternus in der Kreuzkirche Dresden: „Bevor der Dresdner Kreuzchor in einer Woche die erste Kreuzvesper gestaltet (er war am Sonntag zu einem musikalischen Sommerausklang in der Villa Kolbe in Radebeul zu erleben), vertraten ihn tags zuvor ein paar Ehemalige: Sonus Aeternus wurde von Kruzianern 2022 gegründet und war mit den damaligen Abiturienten bereits bei Anlässen wie der Serenade im Grünen zu hören.
Dass sie ihren Namen (wörtlich etwa „Der ewige Klang“) bewusst gewählt haben, einen Klangsinn damit verbinden, zeigte sich in der Kreuzvesper. Arvid Hübner begleitete an der Orgel und sorgte gleich für einen passenden Einzug – mitten ins Gemurmel des Publikums ließ er Orgelklänge wachsen, mit denen sich Ruhe in das Kirchenschiff senkte. Dahinein „geboren“ wurde Christóbal de Morales’ Kyrie eleison (Missa pro defunctis). Diese Verbindung von Stille, Klang und Wort ging unmittelbar zu Herzen!
Sonus Aeternus in der ersten Vesper der Kreuzkirche
Auf die in den elf Stimmen dicht verwobene Darstellung folgte mit dem Laudate Dominum von Hans Leo Hassler im Satz von Anton Matthes eine durch feine Schwingungen ausgelöste Belebung. Davon dürfte jeder, der gerade aus dem Sommerurlaub heimgekehrt und von Erlebnissen oder Ereignissen noch aufgewühlt war, unmittelbar berührt worden sein. Und doch konnte Sonus Aeternus dies noch weiter steigern. Tomás Luis de Vittorias Lauda Jerusalem setzte sich aus Verszeilen der überlieferten Gregorianik und einer im 16. Jahrhundert modernen, damals neuen Art, zu singen, zusammen. Die unterschiedlichen Abschnitte folgten wechselnd mit Soli bzw. kleineren Gruppen, bevor sie sich in einem Chorplenum ausdrucksvoll steigerten.
Elf ehemalige Kruzianer nahmen mit einer hochwertigen Darbietung den Faden der Kreuzvespern wieder auf.
War dieser Text noch mehr auf das Innere des Singenden (oder Betenden) gerichtet, so zeigte sich in Andreas Hammerschmidts „Gott ist die Liebe“, noch einmal im Satz von Anton Matthes, eine Öffnung der Seele, ein Heraustreten und Zuwenden, mit dem der Charakter der Liebe beschrieben wurde.
Das war schon fast überwältigend – Marcel Duprés Cortège et Litanei Opus 19 Nr. 2 sorgte mit seinem anfänglich romantischen Schimmer für einen Moment des Innehaltens. Auch hier lenkt der Text (wenn auch nicht gesungen) auf ein Ziel – die Litanei (statt einer Fuge) steigerte sich mitreißend über eine Rampe incl. Zimbelstern.

In der ruhigen, konzentrierten Darstellung von Sonus Aeternus offenbarte auch das populäre „Ubi caritas et amor“ von Ola Gjeilo seine ursprünglichen Bezüge zur Gregorianik. Nach der Alten Musik zu Beginn zeigten die Quatre petites prières de Saint François d´Assise (Vier kleine Gebete des Heiligen Franz von Assisi) von Francis Poulenc die unterschiedliche Farbkraft, die den Texten innewohnt.
Mit „Barmherzig und gnädig ist der Herr“ nahm das Vokalensemble Bezug auf einen ehemaligen Kreuzorganisten, Gustav Adolf Merkel. Anton Matthes hatte auch dieses Werk arrangiert, das zunächst den Gleichklang darstellte, aus dem eine Vielstimmigkeit wuchs. Karl Pohlandts „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ gehört ebenfalls zur Geschichte der Kreuzkirche – die Choralmotette wurde vor vier Jahren vom Twentytwo-Ensemble Dresden (dem damaligen Abiturjahrgang des Kreuzchores) uraufgeführt. Auch jetzt erwies sich die Steigerung im Aufbau der Stufen (von schlicht bis vielteilig) als beeindruckend.
Das ließ sich auch Superintendent Christian Behr offenbar gern anmerken, auch wenn er dem Wochenspruch gemäß zunächst auf das Bezug nahm, was uns (vorübergehend) niederdrückt und die Lebensfreude bremst. Vespern wie diese scheinen eines der besten Gegenmittel zu sein, weil sie trotz ihrer Vielfalt nicht „bunt gemischt“ wirkte, sondern beseelt klang, mit einer Musik, die der Botschaft folgte. Dazu gehörte am Schluss sogar ein Spiritual, noch einmal im eigenen Arrangement: „Ride my chariot“ („Ich fahre im Streitwagen“). Da war ausnahmsweise einmal ein wenig Applaus angebracht.“
Wolfram Quellmalz | 24.08.2026 | DNN Kultur | „Start ins neue Schuljahr“