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Orgelkonzert mit Frauenkirchenorganist Niklas Jahn | „Osterhymnus und Auferstehung“ | 15.04.2026


21. April 2026

Orgelkonzert in der Kreuzkirche Dresden: „Seit der Osternacht klingt die Jehmlich-Orgel wieder in der Kreuzkirche nach einer grundlegenden Sanierung. Sie soll mehr Volumen haben, vor allem im Bereich der Bässe. Freilich ist dies kein Unterschied, den man zwangsläufig hört, hängt das doch vom jeweiligen Stück und Spieler ab.

Frauenkirchenorganist Niklas Jahn meinte am Mittwoch im Vorgespräch, dass die größte Orgel der Stadt wegen der größeren Anzahl Register zum Beispiel mehr Vorbereitungsaufwand bedeute. Etwa, was man kombinieren könne. Dabei hat der Spieler am Instrument oft einen deutlich anderen Eindruck als die Besucher der Kirche. Schwell- und Kronwerk zum Beispiel höre er von seinem Platz aus nicht, sagte Jahn. Er habe daher in der Vorbereitung Aufnahmen gemacht, um sich einen echten Eindruck zu verschaffen.

Orgelkonzert: Niklas Jahn im Dresdner Orgelzyklus

Spannend ist immer, wenn Organisten liturgisches Spiel und Konzert zu kombinieren wissen, weil sie dann mit Werken, die selbst Orgelfreunde selten geboten bekommen, für neue Höreindrücke sorgen. In diesem Sinne hatte Wolfgang Skorupa bereits am Vortag im Schnupperformat „Orgel Punkt drei“ Werke von Scheidt, Purcell und Bertold Hummel zum Thema des Osterwunders ausgewählt.

Auch Jahn hatte sein Konzert „Christ ist erstanden“ überschrieben und kam in drei Zeitaltern der Orgelmusik (Bach, Gegenwart, Hochromantik) mehrfach auf Osterthemen zurück.

Das Attribut des „jugendlichen Elans“ hatte Jahn nach seinem Amtsantritt mit gerade 28 Jahren schnell von anderen verpasst bekommen. So ganz wollte er sich den Schuh nicht anziehen, gab im Vorgespräch aber zu, dass eine höhere Risikobereitschaft im Spiel dennoch dazugehöre. Andererseits forderten Werke wie von Thierry Escaich oder Charles Tournemire mit ihren waghalsigen Tempoangaben dies geradezu heraus.

Bei Johann Sebastian Bachs Phantasie und Fuge in g-Moll (BWV 542) spürte man das (vielleicht) jugendliche Draufgängertum aber ebenso. Jahn setzte die wieder erstarkte Strahlkraft der Jehmlich-Orgel in Szene – die Phantasie genoss dieselbe fast im Übermaß mit teils harten Kontrasten, soweit sie nicht bewusst weicher gezeichnet waren. Da schien diesmal die Fuge überraschenderweise luftiger. In Bachs Choralbearbeitung „Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘“ (BWV 662) trat dann sie Singstimme und mit ihr das Thema vor der schimmernden Begleitung in den Vordergrund.

Orgelkonzert mit Frauenkirchenorganist Niklas Jahn
Orgelkonzert mit Frauenkirchenorganist Niklas Jahn (c) Marvin Laibold

Mit zwei zeitgenössischen Werken bereitete Jahn seinen Zuhörern sozusagen ein (fast) unerhörtes Vergnügen. Denn die Werke von Thierry Escaich, eines der vier Titularorganisten von Notre-Dame de Paris, gehören in Dresden schon länger zu den gern gespielten. Cinq versets sur le „Victimae paschali“ konnten erneut mit ihren Klangeindrücken, hüpfenden Stakkati und einem stimmlichen Glanz begeistern. Feingliedriger werdend schienen sie Luft- oder Wasserfiguren abzubilden, bevor das Werk den österlichen Hymnus aufnahm.

Die dynamischen Verläufe hatte Jahn dabei sorgsam herausgestellt. In seiner eigenen Improvisation, die er als Symphonische Variationen im französisch-impressionistischen Stil zum Gemeindelied „Christ ist erstanden“ (EG 99) anlegte, wurden diese noch deutlicher. Neben Crescendo und Decrescendo (Variation 3) hob er ebenso die Oberstimme(n) mit dem Liedthema eindrucksvoll hervor. Gleichzeitig wurden verschiedene Register von der Flöte bis zur Trompete / Cornett solistisch vorgespielt – eine kleine Orgelvorführung, die auch rhythmisch überzeugte und bis in jazzige Gefilde auslief.

Max Regers Melodia B-Dur (Opus 129 Nr. 4) schien im Vergleich geradezu schlicht und wurde sogleich noch einmal überboten: Maurice Duruflé hatte Charles Tournemires Improvisation über „Victimae paschali laudes“ aufgezeichnet. Darin fanden sich frohe Farben, die sich über Terrassenstufen (trotz der vorgeschriebenen Tempi ohne „Überschlag“), auf denen die Musik verweilt, geradezu triumphale Fanfarenmotive entwickeln, die dennoch in ein Choralthema münden.“

17.04.2026 | Wolfram Quellmalz | DNN Kultur | „Osterhymnus und Auferstehung“

Orgelkonzert mit Frauenkirchenorganist Niklas Jahn
Niklas Jahn @ Tobias Ritz