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Orgelkonzert zum Dresdner Orgelzyklus | „Bei Haydn die Balance gehalten“ | 18.03.2026


23. März 2026

Orgelkonzert in der Kreuzkirche Dresden: „Normalerweise klingen im Rahmen des Dresdner Orgelzyklus die Orgeln der Hauptkirchen, doch in diesem Jahr hat die Reihe bereits eine Quote der Ungewöhnlichkeiten von 50 Prozent. Nachdem das Konzert im Kulturpalast bereits ein Extra mit Stummfilm war, folgte auch das vierte am Mittwoch einem besonderen Format. Da die große Jehmlich-Orgel, die erst in der Osternacht wieder erwachen soll, derzeit nicht zur Verfügung steht, wich Holger Gehring auf das kleinere Instrument von Wegscheider aus. Dieses ist im Ort mobil sowie in der Stimmhöhe flexibler, es lässt sich außerdem mit einem Kammerensemble kombinieren. Dafür holte sich der Kreuzorganist Musiker der Dresdner Philharmonie ins Haus.

Orgelkonzert mit Kreuzorganist Holger Gehring

Sie kamen mit Konzertmeister Wolfgang Hentrich als Philharmonisches Kammerorchester Dresden (PKD) oder, wie Wolfgang Hentrich es im Vorgespräch „Unter der Stehlampe“ nannte, die „Kleine Dresdner Philharmonie“. Immer 19.19 Uhr in der Kreuzkirche kann man ein wenig mehr zum Konzert und zu den Werken erfahren, als im Programmheft steht. Und manchmal hört man die Musiker „unter sich“. Da nannte Holger Gehring die Musik von Joseph Haydn doch „fummelig“! Womit er aber seinen Gesprächspartner nur im Spaß herausfordern wollte.

Orgelzyklus startet in der Dresdner Kreuzkirche ungewöhnlich.

Worum es ihm ging, war, die Probenarbeit zu illustrieren. Denn zwei der Werke wurden auf der Orgel gespielt, eines auf dem Cembalo. Das Letztere kann man dynamisch kaum beeinflusse – es ist so laut (oder leise), wie es ist, und darf vom Kammerorchester nicht übertönt werden. Umgekehrt kann aber die Orgel leicht dominant werden. Die Balance zu finden, war also eine wesentliche Herausforderung, denn beim Klassiker Haydn „teilt“ sich das Tasteninstrument oft – die rechte Hand spielt konzertierend Soli und Melodie, die linke gehört mitunter zum Basso continuo.

Schon das Instrument Orgel scheint ungewöhnlich bei Haydn – scheint. Denn die Werkgruppe Hob XVIII umfasst ganz allgemein Konzerte für Tasteninstrumente. Das bekannteste ist vielleicht das elfte, das man gelegentlich auf einem modernen Konzertflügel hören kann. Vor allem die ersten sechs sowie das achte sind außerdem für Klavier und Cembalo beliebt. Aber: Auch die Orgel hat Tasten!

Und so erwies sich das Konzert Nr. 10 C-Dur (Hob XVIII:10) als kein bisschen „fummelig“, sondern von reizvoller Kleinteiligkeit, die aber mit einem warmen Streicher- und Orgelklang eingeleitet wurde. Diese Wärme, die schon an Mozart erinnerte, trat noch schöner im Adagio molto des letzten der gebotenen Stücke (Concerto Nr. 2 D-Dur Hob XVIII:2) hervor.

Das Moderato wurde zunächst aber fröhlich. So etwas hätte auch Vivaldi schreiben können – bis die Orgel in den hohen Registern als zweite Stimme hervortritt und Haydn zu erkennen gibt. Dabei blieb es im wiegenden Adagio und dem gediegenen Allegro, das Holger Gehring und das PKD weder zu flott noch zu metrisch exakt, dafür aber tänzerisch boten.

Eine kleine Umbaupause diente dazu, das Cembalo in die Mitte des Altarraums zu schieben. Das Doppelkonzert Nr. 6 F-Dur (Hob. XVIII:6) öffnete neue Klangwelten und eine andere Balance – aber die Ausgewogenheit war getroffen. Etwa die Hälfte der Probenarbeit, hatte Wolfgang Hentrich erzählt, wird übrigens zu Hause geleistet. Das war offenbar geschehen, wie nicht nur die Soli vom Konzertmeister der Dresdner Philharmonie und vom Kreuzorganisten zeigten. Neben dem virtuosen Wechselspiel blieben die Stimmen von zweiter Violine, Viola und Violoncello gleichermaßen hervorgehoben. Auch ließ sich hören, wie immer wieder Cembalo und Basso continuo verschmolzen.

Natürlich war das nicht „fummelig“, sondern filigran, wie das letzte Konzert (Nr. 2 D-Dur Hob, XVIII:2), nun wieder mit der Orgel, bewies. Das „Frühlingserwachen“ des Programmtitels drang deutlich durch – Haydn hat sicher wie Vivaldi mit seinem Stieglitz ebenso die Vogelwelt gehört und nachempfunden.

Am 15. April steht Frauenkirchenorganist Niklas Jahn der Kreuzkirche nach erfolgter Reparatur der großen Orgel deutlich mehr Bassvolumen zur Verfügung als bisher.“

20.03.2026 | Wolfram Quellmalz | DNN Kultur | „Bei Haydn die Balance gehalten“

Orgelkonzert, Dresdner Orgelzyklus, Kreuzorganist Holger Gehring