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Orgelkonzert mit Domkantor Christian Otto 2026 | „Sonnenflimmern und Dämmerung“


11. August 2026

Orgelkonzert in der Kreuzkirche Dresden: „Auch kurz vor Ende (am kommenden Sonnabend findet das letzte Konzert des Orgelsommers in der Dresdner Kreuzkirche statt) war die kurzweilige dreiviertel Stunde am vergangenen Wochenende wieder ein Publikumsmagnet und hatte für ein dichtbesetztes Kirchenschiff gesorgt.

Domkantor Christian Otto aus Magdeburg traute sich sogar, auf bekannte Stücke fast ganz zu verzichten und hatte lieber nur solche für Kenner und Liebhaber in seinem Programm plaziert, darunter Namen, die sonst schnell für hochgezogene Augenbrauen und gerunzelte Stirnen sorgen.

Orgelkonzert mit Domkantor Christian Otto

Marcel Duprés Prélude H-Dur (Opus 7 Nr. 1) gehörte sicher zu den LIebhaberstücken und verband ein Sonnenflimmern im Manual mit der in den Baß gerutschten Melodie. Im mehrfachen Wandel steigerte sich das Stück bereits in eine prächtige Höhe – was konnte da oben »anschließen«?

Christian Otto beim Dresdner Orgelsommer

Ausgerechnet Sigfrid Karg-Elert (für Kenner), ein Komponist, der mit seiner Moderne sonst eher ernüchtert oder für Skepsis sorgt. Nicht nur in den Lebensdaten, auch in der Modernität zeigte er sich Dupré ebenbürtig. »Das schilfbewachsene Ufer« aus den Bodensee-Pastellen (Opus 96 Nr. 4) bot die zu erwartende nüchterne Harmonik, in seiner Zartheit und Aus-Zeichnung jedoch entsprach es durchaus dem musikalischen Äquivalent eines Pastells und führte die Zuhörer durchs Schilf – nicht raschelnd, Christian Otto ließ vielmehr verborgene Stimmen, ferne Rufe von Menschen oder Vögeln, vielleicht einen nahenden Donner, hörbar werden und eine Dämmerung klingen. Diese Verbindung einzelner, feiner Stimmen und zarter, doch raumfüllender Register konnte bezaubern!

Große Jehmlich-Orgel der Kreuzkirche Dresden, Eventmanagement, Orgelkonzert, Orgelmusik
Große Jehmlich-Orgel der Kreuzkirche Dresden

Trotz des enormen Unterschieds zu François Couperin ergab sich danach kein »Bruch«. Couperins Offertoire sur les Grands Jeux und Tierce en taille aus der Messe solemnelle à l’usage des Paroisses setzten mit einem frohen Aufwärtsmotiv einen Neuanfangsimpuls (Prélude-Charakter), bevor sich mit einzelnen Solo- und Gruppenregister sowie Mischungen im Plenum, ähnlich einer Sinfonia concertante oder einem Concerto grosso (was freilich nicht französisch wäre), effektvoll das Zelebrieren der Messe fortsetzte. Wer mochte, konnte sich dem frohgemuten Klang hingeben oder die Messeteile mit den zugrundeliegenden (hier nicht gesungenen) Texten verfolgen. In jedem Fall lenkte das dunkle Tierce en taille auf ein Sinnen und Reflektieren.

Ein heiteres, nun englisches, sommerlich-frohes Stück spendete Christian Otto mit Charles Villiers Stanfords Allegro d-Moll (aus den Six short Preludes and Postludes Opus 105 Nr. 6) dem Programm, ohne jedoch eine zu leichte Auswahl getroffen zu haben. Die Vielfalt lenkte danach wieder zu den pastellenen Tönen Sigfrid Karg-Elerts mit »Der sich spiegelnde Mond«, noch einmal aus den Bodensee-Pastellen. Irisierend schien der Mond von weit oben seine Spiegelungen in den See zu senden. Der Baß umhüllte die hohe Melodie und verlieh eine große, versunkene Tiefe, in der hier und da erneut Rufe (Nachtvögel?) eingewoben waren.

Alexandre Guilmant bestellte mit einer weiteren Eröffnung, Introduction et Allegro risoluto aus der Sonate Nr. 8 (A-Dur) den Abschluß dieser Ausgabe des Orgelsommers. Fanfarenmotive aus dem Fernwerk kündeten von einem Beginn, auch wenn das Ferienende mittlerweile näherliegt. Die Steigerungen und Modulationen des choralähnlichen Motivs bezeugten noch einmal ein musikalisches Aufgeschlossensein.

10. August 2026 | Wolfram Quellmalz | NMB | „Sonnenflimmern und Dämmerung“

Große Jehmlich Orgel der Kreuzkirche Dresden, Orgelkonzert
Große Jehmlich Orgel der Kreuzkirche Dresden (c) André Wirsig
Orgelkonzert mit Domorganist Christian Otto, Klassik
Christian Otto (c) Viktoria Kühne