Dresdner Kreuzchor | Nachwuchsvesper 2026 | „Wie alles beginnt“
28. Januar 2026
Traditionell ist die Kreuzchorvesper Ende Januar dem Nachwuchs gewidmet, dann stehen neben den jüngsten Jahrgängen die Nachwuchsklasse sowie die in den letzten Jahren neu eingerichteten Singschulen im Mittelpunkt. Kreuzkantor Martin Lehmann begrüßte die vielen jungen Sänger und dankte dem Förderverein des Dresdner Kreuzchores, der die Singschulen finanziert. Fünf waren am Sonnabend angereist. Der Titel der Vesper „Wie alles begann“ schien beinahe zu sehr zurückzublicken – es begann doch jetzt!
Kreuzchorvesper widmete sich mit Nachwuchssängern dem Anfang
Das Programm der Nachwuchsvesper ist mit mehr Kanons, Kinder- und Kirchenliedern traditionell etwas anders als sonst, ebenso wie sich das Publikum unterscheidet, in dem noch mehr (neue) Eltern sitzen. Trotzdem blieb der Rahmen erhalten. Dabei hatten die Jüngsten des Kreuzchores und die Nachwuchsklasse gleich eine besondere Aufgabe, denn es stand eine Uraufführung auf dem Programm, Diana Čemerytė Introitus für den 3. Sonntag nach Epiphanias.
Das „Lobet den Herrn“ aus Psalm 117 und „Herr, neige deine Ohren“ (Psalm 86) erfuhr ohne Männerstimmen eine besonders helle, schwebende Stimmung und positive Wendung („Ehre sei …“). Da konnte man den Nachdruck der diesmal fehlenden tiefen Stimmen eigentlich gar nicht missen – trotzdem darf man gespannt sein auf Wiederaufführungen in den kommenden Jahren, die mit Blick auf die aktuelle liturgische Praxis sicher sein dürften.

Die Leitung überließ Martin Lehmann wesentlich dem Chordirigenten des Kreuzchores Sebastian Herrmann. Der nahm mit dem Kanon „In allem Tun und Leben“ von Paul Ernst Ruppel, Erhard Wikfeldts „Sagt, wer kann den Wind sehn“, Karl Dietrichs „Noch eh’ der Tag im Tau erglüht“ und „Alles muss klein beginnen“ von Gerhard Schöne nicht nur aktuelles lokales Liedgut auf, sondern ließ den Chor nach und nach um die Singschulen wachsen.
Außerdem blieb es nicht auf Regionalität beschränkt. So wie die Singschulen auswärtige Zugänge verzeichnen, umfasst die Herkunft mancher Lieder eine große Weite: Die Melodie von „Sagt, wer kann den Wind sehn“ im Satz von Reimund Hess geht auf „Komm, Heilger Geist“ aus Israel zurück, der Text hat schwedische Ursprünge.
Insofern passte auch das Magnificat aus Taizé in diese Reihe. Das Stück gehört ebenso regelmäßig zum Programm der Nachwuchsvesper und erklang diesmal als zweistimmiger Kanon. Da lag es gar nicht fern, von solchen Schöpfungen auf den Schöpfer zu kommen. Holger Milkau, der sich ganz besonders den jungen Gästen zuwandte, griff den Gedanken in seinem Wort zum Sonntag auf.

Bis zum Osterfest wird die große Jehmlich-Orgel wegen Sanierungsarbeiten nicht zu hören sein. Zumindest in Sachen Spielfreude wurde sie durch das kleinere Instrument ersetzt, an dem Holger Gehring reizvoll über Themen aus Joseph Haydns „Die Schöpfung“ phantasierte. Nebenbei – wer Haydn als Orgelkomponist nicht kennt, der stöbere einmal nach dessen Konzerten aus Hob. XVIII mit diesem Instrument statt Klavier oder Cembalo. Auch sonst wurde die große Orgel tatkräftig ersetzt – neben Dorothea Süß am Klavier sorgten Kruzianer aus den älteren Jahrgängen für eine passende Begleitung mit Violine (Jonas Bernhardt und Benno Steigmann) sowie Gitarre (Conrad Calov und Felix Maus).
Nach John Rutters „Für die Schönheit dieser Welt“ gab es mit zwei Solisten der vierten Klasse (Richard Gursinsky und Richard Breier) in Johann Sebastian Bachs „Die güldne Sonne“ (Schemellis Gesangbuch) einen Blick auf das, was zu den Aufgaben der Kruzianer gehören kann. Das Lied (der Text war außerdem im Gemeindelied erklungen) sorgte mit seinem reinen Klang gemeinsam mit dem darauffolgenden „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Heinrich Schütz mit Männerchoristen der Klasse 12 unter der Leitung des Ersten Chorpräfekten Ludwig Haenchen für einen Höhepunkt der Andacht. Die Jüngsten sangen, noch einmal mit allen Singschulen, zum Ausklang Clement Cotterill Scholefields „Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder“.“
26.01.2026 | Wolfgang Quellmalz | DNN Kultur | „Wie alles beginnt“