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„Vielfalt des Gotteslobs“ | Vesper mit dem Kammerchor ad libitum Dresden am 3. Januar 2026


7. Januar 2026

„Mit dem Dresdner Kammerchor ad libitum gestaltete ein Ensemble die Vesper in der Kreuzkirche, das sich nicht nur Kammerchor nennt, sondern auch ein solcher ist. Ein erstaunlich durchsichtiges und ausgewogenes Klangbild durfte da bestaunt werden, stilistisch vielseitig und flexibel, in kleinster Besetzung. Das Ergebnis war rundherum erfreulich. Freilich haben sich in dem seit 2014 bestehenden Chor erfahrene Sänger zusammengetan, die sich auskennen. Zudem ist mit Gottfried Trepte ein versierter Kirchenmusiker der Chef, der weiß, worauf es in diesem Genre ankommt und mit sämtlichen Klippen der musica sacra vertraut ist.

Vesper in der Kreuzkirche mit dem Kammerchor ad libitum

Programmatisch vereinte der Gedanke des Gotteslobs das Konzept und das international und aus etlichen Jahrhunderten. Das begann mit Thomas Luis de Victoria, einem italienischen Meister auf dem Weg zur Renaissance, und seiner Vertonung von „Nunc dimittis servum tuum Domine“ („Herr nun lässest du deinen Diener“) und führte hin zu Mendelssohn Bartholdy, dem kraftvoll und jubelnd gesungenen, doppelchörigen 100. Psalm und der schlichten, vertrauensvollen Bitte „Verleih uns Frieden“, die der Chor so schnörkellos und zurückhaltend sang, wie es ein soll.

Vesper mit dem Kammerchor ad libitum Dresden
Vesper mit dem Kammerchor ad libitum Dresden

Unbekanntere Komponisten bereicherten die Werkauswahl, so der Litauer Vitautas Misakinis und sein wirkungsvoll aufgebautes „Cantate Domino“. Auffallend in dieser Vesper war, dass der Kammerchor ad libitum in aller Regel sehr sensibel und werkbezogen bei der Gestaltung vorging, feine, genau dosierte Akzente setzte, klanglich stimmig (wenn auch nicht immer intonatorisch ganz sauber).

Als interessant erwies sich die Begegnung mit dem Petersburger Dmitri Bortniansky, der Chor und Kapelle des Petersburger Hofes im 19. Jahrhundert zu höchsten Höhen führte und zudem zahlreiche geistliche Lieder hinterließ. Hier erklang der Gloria-Hymnus aus dem Lukasevangelium in guter Stimmbeherrschung und besonders klangschön. Gleiches gilt für das prächtige „Jubilate Deo“ des Ungarn Lászlo Halmos. Dieser Chor pflegt eben keinen vernebelten Klang, sondern singt natürlich und uneitel.

Arvo Pärt hat 1989 sein „Magnificat“ im von ihm erfundenen, typischen Tintinnabuli-Stil geschaffen, woer von der Struktur des Textes her arbeitet. Alles lebt musikalisch von einer Dreiklangkultur und deren ständiger Anreicherung durch diatonische Dissonanzen – für einen Laienchor eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Der Kammerchor ad libitum entledigte sich ihrer sehr präzise und spannungsvoll, klanglich in guter Qualität. Über die Vesperbesucher breitete sich eine besondere Klangmagie aus.

Den Orgeldienst versah Wolfram Hoppe mit der klar strukturierten, farbenreichen Wiedergabe von Buxtehudes „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.“

Mareile Hanns | 05.01.2026 | DNN Kultur | „Vielfalt des Gotteslobs“

Vesper mit dem Kammerchor ad libitum Dresden
Vesper mit dem Kammerchor ad libitum Dresden

„Mit Leidenschaft fürs Singen“

„Der Kammerchor ad libitum war uns schon ein paarmal in den Vespern oder bei der Striezelmarktmusik der Dresdner Kreuzkirche aufgefallen, zuletzt in der vorletzten Adventszeit. Der an sich kleine Chor (am Sonnabend kamen zehn Stimmen) setzt ganz bewußt auf erfahrene Sängerinnen und Sänger. Da könnte man auch einen erfahrenen oder etwas älteren Klang erwarten, aber im Gegenteil muß man sagen, feststellen, anerkennen, daß ad libitum hinsichtlich Vitalität und Chorklang ein geradezu verblüffendes Ergebnis offenbart!

Es scheint, als wäre mehr als Ambition, Freude und Fleiß im Spiel – wie so manches Mal steht das »i. R.« von KMD Gottfried Trepte wohl nicht für »in Ruhe«, sondern »in Richtung« und ein zielgerichtetes, beständiges Arbeiten. Denn die Kreuzvesper vor dem zweiten Sonntag nach dem Christfest war zum kalendarischen Beginn des Jahres eine aufrührende, mitreißende!

Kammerchor ad libitum Dresden in der Kreuzvesper

Das gilt – von der ersten Note an, also ohne einen Moment des sich-finden-müssens – in der Programmauswahl und -zusammenstellung ebenso wie in der gebotenen Qualität. So griff Thomas Luis de Victoria in seinem Nunc dimittis (Herr, nun läßt du deinen Diener) auf die Tradition der Gregorianik zurück. Die vorangesetzten gregorianischen Passagen gelangen ebenso wie die Verbindung zum fortlaufenden Text in de Victorias Komposition. Und es zeigte sich: der an sich kleine Chor erreicht einen erstaunlich geschlossenen Klang – eben wie ein richtiger Chor, nicht wie ein aus Sängern zusammengesetztes Vokalensemble.

Schon die Aufstellung, links mit Alt beginnend, dann Sopran, Baß, Tenor, schien ungewöhnlich. Im leichten Bogen stehend waren sich die Chormitglieder stärker zugewandt als in einer Linie nebeneinander, realisierten im großen Schiff der Kreuzkirche aber trotzdem eine ansprechende Gegenüber-Situation mit der Gemeinde.

Vesper mit dem Kammerchor ad libitum Dresden
Vesper mit dem Kammerchor ad libitum Dresden

In Felix Mendelssohns hellem »Jauchzet dem Herren alle Welt« durften sich die Stimmen vereinzelt hervortreten, blieben aber im Text und Sinn verbunden, auch gab es keine – was leicht passiert – einseitige, übermäßige Betonung. Das beschwingte Cantate Domino von Vitautas Miskinis verstärkte diesen Eindruck noch. Und wer über so einen guten Klang verfügt, der kann ganz ohne aufgesetzte Effekte auf die Ausgewogenheit vertrauen, wie in Heinrich Schütz‘ »Also hat Gott die Welt geliebt«.

Natürlich gehören Gestaltungsmerkmale, die die Aufmerksamkeit lenken, dennoch dazu. Dmitri Bortniansky, der weit mehr geschrieben hat als das beliebte »Ich bete an die Macht der Liebe«, ließ den Gloria-Hymnus »Ehre sei Gott in der Höhe« nicht allein sinnend fließen, sondern fokussierte auf Worte wie »Herr«. Doch Gottfried Trepte verließ sich nicht allein auf solche Hervorhebungen und gestaltete einen dynamischen Verlauf, nutzte ein feines Chorpiano – ein Chor ohne wirklichen Klang wäre dabei verloren!

Dr. Wolfram Hoppe war kurzfristig für den erkrankten Kreuzorganisten Holger Gehring eingesprungen und ließ Dieterich Buxtehudes Choralfantasie »Wie schön leuchtet der Morgenstern« (BuxWV 223) durch die Kirche klingen, bevor in Arvo Pärts Magnificat, welches den Bässen kleine Schönheitsvorteile einräumte, eine besondere Spannung erzeugte. »O magnum mysterium« von Morten Lauridsen wiederum profitierte vom gemessenen Tempo und erneut dem tragfähigen Chorpiano.

László Halmos‘ Jubilate Deo konnte sich nach dem Wort zum Sonntag (Superintendent Christian Behr) beschwingt und froh entfalten, bevor mit Felix Mendelssohn einer der innigsten Wünsche derzeit, »Verleih uns Frieden«, formuliert wurde.

4. Januar 2026 | Wolfram Quellmalz | NMB | „Mit Leidenschaft fürs Singen“

Vesper mit dem Kammerchor ad libitum Dresden
Vesper mit dem Kammerchor ad libitum Dresden