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Dresdner Kreuzchor | „Abschluß des Osterfestes“ | 23. Mai 2026


1. Juni 2026

Dresdner Kreuzchor: „Pfingsten scheint manchen Geheimnisvoll und unverständlich, dabei ist der »Geburtstag der Kirche« zumindest als institutioneller Anlaß und Auslöser nachvollziehbar. Das unvorstellbare bezieht sich auf den Zustand, wenn einen der Heilige Geist »überkommt«.

Der Abschluß des Osterfestes ist für Kirchen einer der Jahreshöhepunkte, das ist beim Dresdner Kreuzchor nicht anders. Zu den normalen Diensten der Vesper und des Gottesdienstes, die wie zu Weihnachten und Ostern stets im Kalender stehen, kommen noch eigene Traditionen und äußerliche Anlässe: im Anschluß an die Vesper singen die Kruzianer am Seitenportal der Kreuzkirche, was gleichzeitig für die Abiturienten ein wenig der Beginn des Abschiedes am nahenden Schuljahresende ist. Sonntags dann steht seit langem jeweils die Serenade im Grünen auf dem Programm, die im Pillnitzer Schloßpark stattfindet und zu den Dresdner Musikfestspielen gehört.

Pfingstvesper mit dem Dresdner Kreuzchor

Zu so besonderen Anlässen wie Pfingsten erlebt man die Kruzianer auch in besonderen, traditionellen Gewändern; wie die Kurrende, die am Sonnabend den gregorianischen Pfingsthymnus Veni creator Spiritus vortrug. Daß es so berührend ausfiel, lag allerdings kaum an den Gewändern, sondern dem klingend belebten, hymnischen Vortrag und der ergreifenden alten Harmonik. Das »Komm, Schöpfer Geist«, kehrte noch mehrfach wieder.

Da die Pfingstvesper nicht wie die Vespern zu den anderen Sonntagen des Kirchenjahres wechselt, war Wilfried Krätzschmars Introitus für Pfingsten zum mittlerweile vierten Mal zu hören. Damit wird er nicht nur allmählich durch »Gewöhnung« etabliert – die dynamische Gestaltung sorgte dafür, den Introitus mit seinem frohen Inhalt (»Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis, Halleluja«) kraftvoll wie eine Anrufung zu erleben.

Dresdner Kreuzchor, Weihnachtsliederabend, Johannespassion, Matthäuspassion, Brahms Requiem, h-moll-messe, Pfingsten
Dresdner Kreuzchor (c) Oliver Killig

Starke Gegensätze in der Gestaltung oder Anlage kennzeichneten die Vesper diesmal, führten aber nicht zu unangenehmen oder unangemessenen Kontrasten. Die Motette »Jesus und Nikodemus« von Ernst Pepping, in der zunächst die Männerstimmen beginnen, die dann von den Knabenstimmen unterstützt werden, war von ausgesprochen erzählerischer Kraft, die Kreuzkantor Martin Lehmann noch einmal mit einem A-cappella-Stück ausarbeitete.

Für eine Steigerung im Grad der Feierlichkeit sorgte Johann Sebastian Bachs Pfingstkantate »Erschallet, ihr Lieder« (BWV 172), die im Klang vollendete, was der Titel vermuten ließ – eine reiche Musik mit Sinfonia-Einleitung und einem Festchor, der an andere Werke wie das Weihnachtsoratorium denken ließ. Die Solisten (Xiang Li / Sopran, Philipp Rauh / Altus, Sebastian Posen / Tenor und Jan-Henrik Witkowski / Baß) sowie das Philharmonisches Kammerorchester (Konzertmeister: Wolfgang Hentrich) unterstrichen diesen Eindruck, einerseits mit den Fanfarenklängen der Bläser, andererseits fiel unter den Sängern besonders Jan-Henrik Witkowski mit seinem gleichermaßen melodischen (Rezitativ) wie lyrischen Baß (Arie) auf.

Nachdem der Gemeindegesang noch einmal »Komm, Gott Schöpfer, Heiliger Geist« (EG 126) aufgegriffen hatte, ließ Kreuzorganist Holger Gehring Nicolas de Grignys großartigen Hymnus »Veni creator Spiritus« folgen – auch dieser ist mittlerweile ein oft gehörter und beliebter Titel an den Dresdner Orgeln.

Dresdner Kreuzchor zu Pfingsten, Kurrendesingen am Portal C
Dresdner Kreuzchor zu Pfingsten, Kurrendesingen am Portal C

Eine ausgesprochen romantische Variante von »Veni creator Spiritus« (Joseph Renner jun.), die dem Kreuzchor ganz besonders lag, schloß den offiziellen Teil der Vesper, die diesmal gleich zwei Verlängerungen bereithielt, denn nach dem Turmblasen gab es am Portal C das Kurrendesingen unter der Leitung des Ersten Chorpräfekten Ludwig Haenchen. Romantische Lieder von Antonín Dvořák, drei Volksweisen und Reinhard Meys »Diplomatenjagd« gaben zum Abschluß einen Ausblick auf die Serenade des folgenden Tages.“

24. Mai 2026 | Wolfram Quellmalz | NMB | „Abschluß des Osterfestes“

Pfingstvesper des Dresdner Kreuzchores in der Kreuzkirche Dresden