Dresdner Kreuzchor | „Gott ist meine Zuversicht“ | 14.03.2026
18. März 2026
„Lätare-Vesper mit dem Dresdner Kreuzchor: Mit dem Sonntag Lätare ist die Hälfte der Passionszeit überschritten und Ostern rückt näher. Es ist ein froher Sonntag, der die Hoffnung auf neues Leben und die Zuversicht in Gott in sich birgt. In diesem Kontext war die Vesper des Dresdner Kreuzchores programmatisch gestaltet.
Stilistisch wurde den Kruzianern einiges abverlangt, erstreckte sich die Werkauswahl doch über mehrere Jahrhunderte – kein Problem. Diesmal unter der anspornenden Leitung des Chordirigenten Sebastian Herrmann stehend, sangen sie in ordentlicher Intonation und mit einem ausdrucksstarken, flexiblen Klangbild. Das Besondere dieser Vesper lag auch darin, dass mit dem feinfühligen Beistand des Dresden Consorts etliche Kruzianersolisten zum Einsatz kamen, wobei die Qualität der Knaben (Gustav Haenchen und Benjamin Morgenstern) besser war als die der Mitglieder des Männerchores, denen ich insgesamt mehr stimmliche Durchschlagskraft gewünscht hätte.
Lätare-Vesper mit dem Dresdner Kreuzchor
Der von Kreuzkantor Martin Lehmann eingeführten Tradition folgend, eröffnete ein zu Sonntag gehörender Introitus „Freut euch mit Jerusalem“ von Wilfried Krätzschmar in Form eines Wechselgesangs zwischen zwei Chorteilen die Vesper. Mit sicherem Zugriff und überzeugender plastischer Gestaltung meisterte der Kreuzchor die Hammerschmidt-Motette und zwei „Teutsche Gesange“ von Leonhard Lechner. Einen schönen, abgerundeten Zusammenklang aller Stimmen präsentierte man in Thomas Tallis’ vierstimmiger Motette „If ye love me“ und ebenso beim kraftvollen, hoffnungsfrohen Ausschnitt aus Charles Villiers Stanford, mit dem die Kruzianer den Schlusspunkt setzten. Man ist eben bestens aufeinander eingespielt.
Höhepunkt dieser Vesper war für mich die stille, intime Vertonung des Eichendorff-Textes „Komm, Trost der Welt“ durch Christian Lahusen – in stimmungsvoller Zurückhaltung, schlicht, dem Charakter des Liedes verpflichtet.
Als sehr besonders entpuppte sich auch Kreuzorganist Holger Gehrings Orgelbeitrag. Phantasiereich, sorgsam in der Wahl der Klangfarben und hochsensibel nahm er die Vespergemeinde mit auf einen Gang durch den Trauerchoral „Jesu, meine Freude“, hier in der Version einer Partita des Barockmeisters Friedrich Wilhelm Zachow.“
Mareile Hanns | 16.03.2026 | DNN Kultur | „Gott ist meine Zuversicht“

„Rosensonntag mit dem Dresdner Kreuzchor
Der vierte Sonntag der Fastenzeit wird auch Rosen- oder Brotsonntag genannt. In der Dresdner Kreuzkirche wurde der Vorabend wieder zu einem besonderen Ereignis. Kreuzkantor Martin Lehmann ließ sich diesmal von seinem Chordirigenten Sebastian Herrmann vertreten, an der kleinen Wegscheider-Orgel wechselten sich Kreuzorganist Holger Gehring für die liturgische Musik und Sebastian Knebel ab, der mit dem Dresden Consort den Dresdner Kreuzchor begleitete.
Bereits zum Einzug phantasierte Holger Gehring über »Jesu meine Freude«, was im Verlauf im Thema und auch inhaltlich wiederkehren sollte. Wilfried Krätzschmars Introitus für den Sonntag Laetare erinnerte als Wiederbegegnung an den ersten Jahrgang der neuen, vom Kreuzchor in Auftrag gegebenen Einleitungen. Aufsteigend in der Melodie bereits im ersten Vers steigerte sich der zweite Abschnitt im Wechsel zwischen den asymmetrischen Teilchören in immer hellere Gefilde und erreichte vor dem Lobpreis (»Ehre sei …«) einen starken, geschlossenen Klang. Diese beeindruckende Homogenität ist derzeit nicht das einzige Merkmal des Dresdner Kreuzchores.
Dresdner Kreuzvesper vor dem vierten Sonntag der Fastenzeit
Besonders schön ist es, wenn Jubilare nicht nur gelegentlich bzw. anläßlich einmalig bedacht, sondern wenn sie nachhaltig gewürdigt werden. Im Fall von Andreas Hammerschmidt ist eine Tradition wieder aufgegriffen worden, von der man nur hoffen darf, daß sie weiter gepflegt wird – Hammerschmidts Œuvre ist zu wertvoll, um es wieder beiseite zu legen. »Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz« (aus: »Sechsstimmige Fest- und Zeit-Andachten«) sowie »Kommet her zu mir alle« (aus »Musicalischer Andacht, Erster Theil«) waren zwei Beispiele dafür, vom Dresden Consort vielfarbig mitgestaltet.
Daß Kruzianer immer wieder und immer öfter solistisch mitwirken, ist man mittlerweile gewohnt, aber daß die Soprane Gustav Haenchen und Benjamin Morgenstern für »Kommet her zu mir alle« auf die Stütze eines Dirigats verzichteten, war höchst ungewohnt. Hut ab vor der Initiative und dem Mut, zumal es mit einem Gelingen verbunden war!
Es ging vergleichbar weiter, denn auch bei Leonhard Lechner (»Dieweil Gott ist mein Zuversicht«, aus: »Neue Geistliche und Weltliche Teutsche Lieder / mit fünff und vier Stimmen«) war ein kleines Solistenensemble eingebunden. Der helle, schwebende Charakter profitierte besonders von der Homogenität des Chores. »Mein süße Freud auf Erden« (ebenfalls von Leonhard Lechner, aus »Newe Gaistliche und Wellttliche Teutsche Gesanng sampt zwayen Lateinischen«) ergänzte die stimmungsvolle Musik um die Facette besonderen Kirchenliedgutes, das auf schlichte Weisen zurückgeht.

Holger Gehring hatte bereits in der Vorwoche eine Choralpartita über »Jesu, meine Freude« gespielt. Dem Werk von Johann Gottfried Walther fügte er nun eine Schwesterkomposition von Friedrich Wilhelm Zachow an, in der sich erneut farbige Register mit Solo- und gemischten Stimmen abwechselten und in ein freudvolles Tutti mündeten.
Mit einem Chorsolisten, Valentin Seifert (Bariton), und Henry Purcells »An Evening Hymn« (Abendlied) ging es in beeindruckend dunkler Farbe, aber einem Aufwärtsgestus weiter. Franz Richter und Adam Eckhardt (Baß) belebten die versetzten Zeilen in »Fürchte dich nicht« (SWV 296) von Heinrich Schütz, bevor Thomas Tallis (noch aus der Generation vor Purcell) mit der Motette »If ye love me« den Aspekt der Freude durch hymnischen Ausdruck vertiefte.
Als wäre das nicht genug Spannweite gewesen, fügte der Kreuzchor zum Abschluß romantische Titel an: Der weihevolle Charakter Albert Beckers »Einen anderen Grund kann niemand legen« wuchs aus dem von den Männerstimmen getragenen Beginn, in den sich nach und nach die höheren einmischten. »Komm, Trost der Welt« von Christian Lahusen schloß, nun noch einmal a cappella geboten, den ganzen Trost ein, bevor einem weiteren Jubilar der Vorjahre, Charles Villiers Stanford, mit »Nunc Dimittis« (»Herr, nun lässtest du deinen Diener«) mit seinem berückend geschlossenen Klang die letzten Worte vorbehalten blieben. Der Klang schien sich zu öffnen, und mit einer belebenden Dynamik erneut in hymnische Sphären vorzustoßen.“
16. März 2026 | Wolfram Quellmalz | NMB | „Rosensonntag mit dem Dresdner Kreuzchor“