Nachrichten

„Gemeinsames Jubilieren“ | Dresdner Kreuzchor und Junge Camerata Dresden | 28.04.2026


28. April 2026

Dresdner Kreuzchor feiert Sonntag Jubilate gemeinsam mit der Jungen Camerata Dresden

Der vergangene Sonntag Jubilate nahm die Erinnerung an die Schöpfung ebenso in den Blick wie den Neuanfang, den Jubel über die Auferstehung, quasi eine Neuschöpfung. Der Dresdner Kreuzchor gestaltete die Vesper am Sonnabend (sowie den Gottesdienst am Sonntagmorgen) gemeinsam mit der Jungen Camerata Dresden vom Sächsischen Landesgymnasium für Musik.

Den Aufschwung des Neuanfangs hatte Jan Arvid Prée 2025 mit seinem Introitus für den Sonntag Jubilate eingefangen (»Jauchzet Gott, alle Lande, Halleluja«, Verse aus Psalm 66a cappella Wiederaufführung). Die Steigerung liegt aber ebenso in der zunehmenden Tonhöhe bis zum Wort »Menschenkinder«. Im Verlauf gliedern sich nicht nur die Stimmen auf, die Ausdruckskraft nimmt stetig zu. Kreuzkantor Martin Lehmann ließ die Wortverständlichkeit jedoch hinter der Strahl- oder Ausdruckskraft nicht zurückstehen.

Mit »The spheres« (Kyrie) aus der Sunrise Mass von Ola Gjeilo (Symphonische Messe für Chor und Streichorchester) gab es ein weiteres modernes Stück, das aber ganz anders fokussierte: nicht auf das Wort an sich, wogten Silben links und rechts zwischen den Teilchören, spiegelten sich über einem schwebenden, meditativen Klang.

Dresdner Kreuzchor und die Junge Camerata Dresden

Neben solchen modernen und neuen Erfahrungen, die unverzüglich in die Tradition des Kreuzchores eingepflanzt werden, pflegt er natürlich sein bestehendes Repertoire. Heinrich Schütz gehört zu den wichtigsten Komponisten, die Motette »Ich bin ein rechter Weinstock« (SWV 389) zu einer seiner bekanntesten Kompositionen überhaupt. Der Eindruck war ein einnehmend geschlossener – die Stimmen verzweigten und durchdrangen sich wie Blätter oder das Wurzelwerk eines Weinstockes.

Eine Motette Johann Sebastian Bachs, »Der Geist hilft unser Schwachheit auf« (BWV 226)  erweitere den musikalischen Eindruck, denn Chor und Instrumentalensemble waren nun innig verbunden. Während in der ersten Strophe Ausdruck und fugierte Anlage beeindruckten, schien die zweite (»Du heilige Brunst, süßer Trost«) wie eine Konklusion des Wohlklangs, also Versicherung.

Dresdner Kreuzchor, Weihnachtsliederabend, Johannespassion, Matthäuspassion, Brahms Requiem, h-moll-messe
Dresdner Kreuzchor (c) Oliver Killig

Die Freude (der Jubel), ihr musikalischer Ausdruck wie in Beethovens »Fidelio« bis zu jenem unaussprechlichen, das sich in einem Seufzen offenbart, war Thema des Wortes zum Sonntag (Pfarrer Holger Milkau).

Wolfram Hoppe fügte nach dem Gemeindegesang (»Die ganze Welt, Herr Jesu Christ«, EG 110) eine der vielgliedrigen Toccaten von Dieterich Buxtehude an der großen Jehmlich-Orgel hinzu. In F-Dur (BuxWV 156) hob nicht ein monothematisches Stück an, sondern ein mehrteilig verflochtenes Werk mit Präludium und Fugen, figurativen Elementen und Variationen – musikalische Schönheit quasi als Jubel.

Der Dresdner Kreuzchor und die Junge Camerata Dresden ließen die Vesper mit Felix Mendelssohn ausklingen. An der Continuo-Orgel begleitete dabei Kruzianer Ludwig Haenchen (Erster Chorpräfekt). Die Choralkantate »Wer nur den lieben Gott läßt walten« mit Sopransolo (hier im klingenden Trio besetzt) schloß mit einem kraftvollen Choral (»Sing, bet und geh auf Gottes Wegen«). »Verleih uns Frieden gnädiglich« machte mit den Bässen des Chores und dunklen Bläsern deutlich, welche Kraft in der Tiefe liegen, aus ihr wachsen kann.

27. April 2026 | Wolfram Quellmalz | NMB | „Gemeinsames Jubilieren“

Dresdner Kreuzchor
Dresdner Kreuzchor (c) Grit Dörre